RockItNice!

08.01.2018 19:56 von Jörg Trillenberg

Volleyballer auf Glatteis?

Ein Essay von Jakob

Nach jahrelanger Entsagung beschloss der Libero, sich neue Abfahrtsski zu kaufen. So konsultierte er den örtlichen Sportfachverkäufer seines Vertrauens der zwar nicht das Wunschmodell, jedoch ein noch aktuelleres und noch schnittigeres zur Auswahl hatte, mit dem es sicher auch möglich wäre, einen überdurchschnittlichen Knieverschleiß abseits des Volleyballfeldes zu arrangieren und jegliche Pisten mit Höchstgeschwindigkeiten unsicher zu machen.

Der Libero wollte jedoch nicht die Katze im Sack kaufen und erbat die Gerätschaften auf eventuelle Mängel und Unzulänglichkeiten testen zu dürfen. So gleich zeigten sich einige wagemutige Mannschaftsmitglieder bereit, ihn zu begleiten. Getroffen wurde sich in aller Herrgottsfrühe nachdem noch drei sportliche Mädels Zusage bestätigt hatten! Zwei entsprangen direkt der Wohnung des Coaches, eine wurde vom Ebersbacher LIDL mitgebracht.

Auf der Fahrt bereitete die Navigation minimale Unannehmlichkeiten, welche durch die hochfrequente Wiederholung des Evergreen “Alkohol” von Grönemeyer und im anderen Auto durch „Mädchen gegen Jungs“ von „the only one“ Bibi Blocksberg mehr als wettgemacht wurden. Am auserwählten Skigebiet in Rokytnice fiel dem geschulten Beobachter zuerst ins Auge, dass nicht nur der Song von Grönemeyer, sondern auch Winterbekleidung und Schneebrett des Coaches Mitte der Achtziger erschienen waren. Weiterhin schlug der nicht vorhandene Helm, der offenbar der coolness Abbruch getan hätte, negativ zu Buche. Ungeachtet dessen wurden Karten gekauft, Blasen entleert, Bretter angelegt und schon ging es in den Sessellift, wo sogar der sonst so abgeklärte Teamkapitän vor lauter Aufregung ganz hibbelig wurde. Kein Wunder, bei dem “Königswetter”.

Kaum in die Piste gedroped, entschied der Coach, er, als AlphaWolf, sei allein doch besser dran und verabschiedete sich von seinen Mannschaftskollegen. Natürlich um seine Tochter bestmöglich beim Skifahren zu unterstützen. Diese traf aber nach kurzer Wartezeit mit Ihrer Mutter auf die anderen, nur der Coach fehlte. Nach mehreren (vergeblichen) Anrufen konnte der Coach ausfindig gemacht werden und wurde wieder in das Rudel integriert.

Luise brauchte im Übrigen wenig Unterstützung beim Skifahren und selbst wenn widrige Umstände sie zu Boden warfen, war es ihr ein Leichtes, die schneegefüllte Brille nach Oben zu schieben und sich wieder aufzurappeln. Der belesene Kapitän bestätigte solche Fälle dann als deutliches Indiz für das Verlassen der Komfortzone, was für jeden Sportler wichtig sei, um seine Skills zu improven. Er selbst nahm sich davon nicht aus und so hat es (zur Beruhigung des Mittelblockers) auch den Kapitän - der sonst so ausgesprochen abgehoben - ausnahmsweise mal ausgebhoben. Zu jeder anderen Zeit überzeugte er mit krassen turns, carves, nollies, ollies, front side to front sides, switches, one-eighties, three-sixties, five-forties, seven-twenties, … , auf ganzer Linie ;)

Die beim Cruisen verbrannten Ressourcen wurden beim Mittagessen wieder aufgefüllt, wo, trotz der famosen Tschechischkünste des sprachlich versierten Mittelblockers, dreimal der falsche, überbackene Käse geliefert wurde, was von der umgänglichen Truppe als Bagatelle abgestempelt wurde. In der Kneipe grüßte auch wieder Grönemeyers Song, diesmal in Form von gezapften Bier, das optional zur Kühlung der warm gelaufenen Abfahrtsmaschinerie und zur Komplettierung des Skitages angewandt wurde.

Als die Recken sich wieder aufs Eis wagten, zog sich der Himmel zunehmend zu. Sphärische Nebelschwaden verhängten die Sicht und verbargen mörderische Spalten und Risse weshalb das gewohnt brutale Tempo angepasst werden musste. Die Volleyballer ließen sich von diesen Bedingungen ansonsten jedoch nicht abschrecken und blieben bis zur letzten Liftfahrt, die wenige Sekunden vor Betriebsschluss und auf dem wirklich allerletzten Sessel, der noch nicht ausgehängt wurde, ablief. Nach dem Zusammenpacken wurde (geradlinig) nach Hause gefahren.

Der Trip endete mit einem hoch emotionalen Libero, der sich bei seinen Begleitern von Herzen bedankte und seine tiefe Zuneigung zu ihnen bekundete, und natürlich mit dem, sowieso schon in den Köpfen eingebrannten, Hit “Alkohol” von Gröni.

P.S. Die Ski werden wohl gekauft werden.

Jakob

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Kommentar von Charlie Papa | 14.01.2018

Gute Nacht.

Kommentar von Mittelblock | 14.01.2018

@Dr. Schneider: Ich würde ihrem Rat ja gern folgeleisten, aber ein weiser Mann hat mir einmal gesagt: "ich solle keiner Autorität folgen"(vgl)

@Capitän: schon wieder ein Paradoxon, einfach herrlich!

Kommentar von Mannschaftsarzt | 14.01.2018

Charlie Papa,
auch scheint die Medikation ausgesetzt worden sein. Mein dringlicher Appell; bitte Medikamentenplan einhalten und morgen früh bei mir Vorstellig werden.
Dr. S

Kommentar von Charlie Papa | 14.01.2018

Darum sei dein eigener Herold, nur die Dummen folgen einer Autorität, die sich selbst dazu gemacht hat.
Oder folge mir, da kannst Du auch nichts falsch machen ;)

Kommentar von Mannschaftsarzt | 14.01.2018

Herr Mittelblocker,
Es ist wirklich sehr wichtig, dass Sie Ihre Medizin 4x am Tag zu sich nehmen. Sonst können Überhöhungen der eigenen Persönlichkeit spontan auftreten und den Heilungsprozess zurückwerfen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Schneider

Kommentar von Mittelblock | 14.01.2018

Kompliment wird dankend angenommen, Falk ;)

Ne du, du hast das falsch verstanden Capitän:

indem man Gottes Herold ist, kann man selbst entscheiden, was Gott "sagt", da niemand erkennen kann, was von Gott kommt und was nicht. Also spricht man unabhängig von Gott und hat somit Gottes Macht.

Kommentar von Falk | 14.01.2018

Macht Spass, Euch zu Lesen! ;)

Kommentar von Charlie Papa | 14.01.2018

"Carpe diem! Nutzet den Tag, Jungs! Macht etwas Außergewöhnliches aus eurem Leben."

Kommentar von Mittelblock | 14.01.2018

- einige Tage später:
Mittelblock "An all meine Jünger: folget mir, dem der von Gott erhört und berufen wurde, und erhöret diese Gebote:
1.: du sollst rebellisch sein
2.: du sollst Theaterspielen und dich dann umbringen
3.: du sollst Mr. Keating ehren
4.: du sollst auf Tische steigen
5.: du sollst daraus einen Film machen, der wehrlosen Schülern im Englischunterricht vorgesetzt wird
6.: du sollst alles glauben was dir von Gott gesagt wird (und von Gottes Herold)

Kommentar von Charlie Papa | 12.01.2018

"Welton Academy, hallo! Ja, er ist da. Augenblick bitte. Mittelblock, es ist für Sie, es ist Gott....." pass auf, dass du dich nicht zu weit aus deiner Komfortzone bewegst, könnte weh tun. :)

Kommentar von Mittelblock | 10.01.2018

und ja, ich meine "Angeben" - nicht "Aufschlagen" ;)

Kommentar von Mittelblock | 10.01.2018

Danke Steffi!
@Capitän "Oh Angeber mein Angeber" klingt eben auch einfach nicht so gut ;)
trzd. Danke :)

Kommentar von Steffi Trillenberg | 09.01.2018

Respekt auch von mir. Schön geschrieben. Schön wars...

Kommentar von Charlie Papa | 08.01.2018

Oh captain mein captain.... Sehr schön, hätte von mir... Lasse wir das. Ich weis wer die nächsten Spielberichte schreibt. Selber schuld, warum bist du auch so gut. :) well done